evcc installieren: Anleitung fürs PV-Überschussladen
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Kurzdiagnose: Was evcc ist und wofür du es brauchst
evcc ist eine kostenlose, quelloffene Software fürs PV-Überschussladen. Sie liest deinen Energiezähler und Wechselrichter aus, berechnet den Überschuss und regelt deine Wallbox stufenlos nach. Der große Vorteil: evcc bindet Geräte verschiedener Hersteller ein — also etwa eine SMA-PV-Anlage, eine go-e-Wallbox und einen Shelly-Zähler im selben System. Du installierst es auf einem kleinen Dauerläufer wie einem Raspberry Pi, Mini-PC oder im Docker-Container und erreichst die Oberfläche dann im Browser unter Port 7070.
Voraussetzungen prüfen
evcc selbst ist genügsam, aber deine Geräte müssen mitspielen. Entscheidend ist eine auslesbare Schnittstelle bei jedem Baustein. Prüfe vorab, ob deine Komponenten in der evcc-Geräteliste stehen — sie umfasst hunderte Wallboxen, Wechselrichter und Zähler.
| Komponente | Benötigte Schnittstelle | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| Wallbox | Modbus TCP, OCPP 1.6, Hersteller-API | go-e, Easee, Zaptec, openWB, Heidelberg |
| Wechselrichter | Modbus TCP, SunSpec, Hersteller-API | SMA, Fronius, SolarEdge, Kostal, Huawei |
| Energiezähler | Modbus, HTTP, MQTT | Shelly 3EM, SMA Energy Meter, SunSpec-Meter |
| Host | — | Raspberry Pi 4, Mini-PC, NAS mit Docker |
evcc installieren: Schritt für Schritt
- Host vorbereiten: Richte einen Raspberry Pi 4 (mind. 2 GB RAM) mit Raspberry Pi OS ein oder nutze einen Mini-PC/NAS mit Docker. Vergib dem Host eine feste IP im Router.
- evcc installieren: Auf Linux per Paketquelle (
apt install evccnach Einbinden des evcc-Repos) oder als Docker-Container. Nach der Installation läuft der Dienst im Hintergrund. - Geräte-IPs sammeln: Trage Wechselrichter, Zähler und Wallbox mit fester IP im Router ein, damit sich die Adressen nicht ändern.
- Konfiguration starten: Rufe
http://<host-ip>:7070im Browser auf. evcc bietet einen geführten Assistenten zum Einbinden der Geräte. - Zähler einbinden: Lege den Netz-Zähler (grid), den PV-Erzeuger (pv) und optional den Speicher (battery) an. Teste jede Verbindung im Assistenten.
- Wallbox (loadpoint) anlegen: Hinterlege die Wallbox, wähle den passenden Treiber und ordne ihr einen Ladepunkt zu. Stelle Mindest- und Maximalstrom ein.
- Lademodus konfigurieren: Setze den Modus auf „PV" (nur Überschuss) oder „Min+PV" (Mindestladung plus Überschuss). Aktiviere bei Bedarf Phasenumschaltung.
- Testlauf: Stecke das Auto bei Sonne an und prüfe in der Oberfläche, ob die Ladeleistung dem Überschuss folgt.

Geräte einbinden: worauf du achten musst
Beim Einbinden scheitern die meisten an Kleinigkeiten. Modbus-Schnittstellen müssen im Gerät oft erst aktiviert werden — bei vielen Wechselrichtern ist Modbus TCP ab Werk deaktiviert. Schau im Geräte-Menü nach „Modbus" oder „TCP-Server" und schalte ihn frei. Notiere die Unit-ID (oft 1, 3 oder 126).
Bei Wallboxen mit OCPP musst du in der Box die OCPP-Backend-URL auf evcc zeigen lassen, also auf ws://<host-ip>:8887 oder den konfigurierten Pfad. Bei Hersteller-APIs (go-e, Easee) brauchst du meist einen API-Token oder die Cloud-Zugangsdaten. Halte diese bereit.
Häufige Stolpersteine und ihre Lösung
evcc läuft stabil, aber die Erstkonfiguration hat Tücken. Diese Probleme treten am häufigsten auf:

| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Gerät nicht erreichbar | Falsche IP oder Modbus deaktiviert | IP prüfen, Modbus TCP im Gerät aktivieren |
| Falsche Vorzeichen (Bezug/Einspeisung vertauscht) | Zähler-Richtung invertiert | In evcc scale: -1 oder Richtung umkehren |
| Auto lädt nicht / nur Minimum | Zu wenig Überschuss oder Phasenproblem | Modus „Min+PV", Phasenumschaltung prüfen |
| Speicher wird leergezogen | Batterie nicht eingebunden | Speicher als battery anlegen, Vorrang setzen |
Zieht deine Wallbox trotz evcc den Speicher leer, liegt es am fehlenden Batterie-Vorrang. Die Lösung steht im Artikel Wallbox zieht den Hausspeicher leer. Die Grundlagen zum gesamten Setup findest du unter PV-Überschussladen einrichten.
evcc-Konfigurationsdatei verstehen
evcc speichert die Konfiguration in einer YAML-Datei (evcc.yaml). Auch wenn der Browser-Assistent vieles abnimmt, hilft ein Blick in die Datei beim Fehlersuchen. Wichtige Blöcke:
- meters: alle Zähler (grid, pv, battery) mit Typ und Verbindungsdaten
- chargers: die Wallbox(en) mit Treiber und Zugang
- vehicles: optional dein Auto mit Akkukapazität für Reichweiten-Anzeige
- loadpoints: verknüpft Wallbox + optional Fahrzeug, definiert Min-/Max-Strom und Modus
- site: verbindet alles und ordnet die Zähler dem Standort zu
Nach Änderungen an der Datei startest du evcc neu (sudo systemctl restart evcc oder Container-Neustart). Fehler stehen im Log, das du mit journalctl -u evcc -f live mitliest.

Installationswege im Vergleich
evcc lässt sich auf mehreren Wegen installieren. Welcher passt, hängt von deiner vorhandenen Hardware und deinem Komfortwunsch ab.
| Weg | Aufwand | Vorteil | Für wen |
|---|---|---|---|
| Paket auf Raspberry Pi (apt) | mittel | schlank, dedizierter Dauerläufer | Einsteiger ohne vorhandenen Server |
| Docker-Container | mittel | einfache Updates, kapselt sauber | NAS-/Homeserver-Besitzer |
| Home-Assistant-Add-on | gering | integriert in bestehendes Smart Home | HA-Nutzer |
| Manuelles Binary | hoch | volle Kontrolle, jede Plattform | erfahrene Linux-Nutzer |
Für die meisten ist der Raspberry Pi mit apt-Installation der unkomplizierteste Start: günstig, sparsam und unabhängig von anderer Hardware. Läuft bei dir bereits ein NAS oder Home Assistant, spart der Container- oder Add-on-Weg eine zusätzliche Box.
Fahrzeug einbinden und SoC nutzen
Optional kannst du dein Auto in evcc hinterlegen. Das bringt den Ladestand (State of Charge, SoC) in die Oberfläche und ermöglicht clevere Lade-Ziele wie „bis 7 Uhr auf mindestens 70 %". evcc holt den SoC je nach Marke aus der Hersteller-Cloud (z. B. VW, Tesla, BMW) oder schätzt ihn aus der geladenen Energiemenge.
Mit hinterlegtem Fahrzeug kannst du Mindest-Ladeziele zu einer Uhrzeit setzen: evcc lädt dann aus Überschuss, schaltet aber rechtzeitig auf Netzstrom um, falls die Sonne nicht reicht, um das Ziel zu erreichen. Das verbindet Sparen mit Planungssicherheit für den nächsten Morgen.

Updates und Betrieb im Alltag
evcc wird laufend weiterentwickelt, neue Geräte und Fehlerbehebungen kommen regelmäßig. Halte die Installation aktuell, damit deine Wallbox oder dein Wechselrichter unterstützt bleibt.
- Paket-Installation:
sudo apt update && sudo apt upgrade evcc - Docker: Image neu ziehen (
docker pull) und Container neu starten - Backup der evcc.yaml: vor jedem Update sichern, dann sind Rückschritte leicht
- Log im Blick behalten: nach Updates kurz
journalctl -u evcc -fprüfen, ob alle Geräte verbunden bleiben
Phasenumschaltung in evcc einrichten
Die automatische Phasenumschaltung ist das Merkmal, das evcc fürs Überschussladen so stark macht. Bei wenig Sonne lädt die Wallbox einphasig ab 1,4 kW, steigt der Überschuss über etwa 4,2 kW, schaltet evcc auf drei Phasen hoch — und umgekehrt bei aufziehenden Wolken zurück.
Voraussetzung ist eine Wallbox, die das Umschalten unterstützt (z. B. go-e Charger Gemini oder openWB). In der Loadpoint-Konfiguration aktivierst du phases: 0 für automatische Umschaltung, statt sie fest auf 1 oder 3 zu setzen. evcc legt eine kurze Verzögerung dazwischen, damit die Box nicht bei jeder vorbeiziehenden Wolke springt.
| phases-Wert | Verhalten | Sinnvoll für |
|---|---|---|
| 1 | fest einphasig | kleine Anlagen, einfache Boxen |
| 3 | fest dreiphasig | große Anlagen, ständig viel Überschuss |
| 0 | automatische Umschaltung | schwankender Überschuss, Optimum |
evcc mit dynamischem Tarif kombinieren
evcc kann nicht nur Überschuss laden, sondern auch günstige Netz-Tarifzeiten nutzen. Bindest du einen dynamischen Stromtarif (z. B. über die Tarif-Schnittstelle) ein, lädt evcc im Modus „Min+PV" tagsüber aus Sonne und füllt die Restmenge nachts zum günstigsten Börsenpreis.
Das ist gerade im Winter Gold wert: Reicht der Solarstrom nicht, weicht evcc automatisch auf die billigste Netz-Stunde aus, statt teuren Tagstrom zu kaufen. So bekommst du das Beste aus beiden Welten — maximalen Solaranteil im Sommer und günstige Ladekosten in der dunklen Jahreszeit.
evcc absichern und im Netzwerk erreichbar machen
evcc läuft im Heimnetz und ist standardmäßig nur dort erreichbar. Damit du die Oberfläche auch vom Handy aus aufrufst, vergibst du dem Host eine feste IP und legst dir ein Lesezeichen auf http://<host-ip>:7070. Für Zugriff von unterwegs nutze ein sicheres VPN ins Heimnetz — öffne den Port niemals ungeschützt ins Internet.
- Feste IP vergeben: im Router eine DHCP-Reservierung für den evcc-Host setzen
- Kein Port-Forwarding: Port 7070 nicht direkt ins Internet freigeben
- VPN für Fernzugriff: WireGuard oder das Router-VPN nutzen
- Backups: die evcc.yaml regelmäßig sichern
So bleibt deine Verbrauchssteuerung sicher und nur für dich erreichbar. Da die lokale Modbus-Kommunikation ohnehin im Heimnetz bleibt, gibst du keine sensiblen Daten nach außen.
Grenzen von evcc und sinnvolle Alternativen
evcc ist mächtig, aber kein Allheilmittel. Bei sehr exotischen oder älteren Geräten ohne offene Schnittstelle stößt es an Grenzen. Auch wer keinerlei Bastel-Aufwand möchte, ist mit einer fertigen Hersteller-Lösung manchmal besser bedient.
| Wenn … | dann eher |
|---|---|
| alle Geräte vom selben Hersteller | dessen integriertes HEMS |
| gemischte Marken, Bastel-Bereitschaft | evcc oder openWB |
| kein eigener Server gewünscht | Wallbox mit eingebautem PV-Modus + App |
| komplexes Smart Home vorhanden | evcc als Home-Assistant-Add-on |
Für die meisten Setups mit gemischter Hardware bleibt evcc die flexibelste und günstigste Wahl. Wer maximale Einfachheit will und beim Gerätekauf darauf achtet, fährt mit einer Wallbox mit integriertem Überschuss-Modus aber ebenfalls gut.
Was du mitnehmen solltest
evcc ist der direkte Weg zum herstellerübergreifenden Überschussladen, kostenlos und auf einem Raspberry Pi lauffähig. Der Erfolg steht und fällt mit drei Dingen: aktivierte Schnittstellen (vor allem Modbus TCP), korrekte feste IP-Adressen und die richtige Zähler-Richtung. Binde Netz-Zähler, PV und — falls vorhanden — Speicher ein, setze den Lademodus auf PV oder Min+PV und teste bei Sonne. Hast du einen Speicher, vergiss den Batterie-Vorrang nicht. Mehr zur Säule findest du unter Überschussladen.
Häufige Fragen
Auf welcher Hardware läuft evcc am besten?
Ein Raspberry Pi 4 mit 2 GB RAM reicht für die meisten Setups locker aus. Alternativ läuft evcc auf jedem Mini-PC, einem Linux-Server oder als Docker-Container auf einem NAS. Wichtig ist, dass der Host dauerhaft läuft und per Netzwerk alle Geräte erreicht. Der Stromverbrauch eines Pi liegt bei wenigen Watt und fällt kaum ins Gewicht.
Ist evcc wirklich kostenlos?
Ja, evcc ist Open-Source und für den privaten Gebrauch kostenlos. Es gibt eine optionale Unterstützer-Funktion (Sponsoring), die einige Zusatzfeatures freischaltet, etwa bestimmte Fahrzeug-Integrationen. Die Kernfunktion Überschussladen mit Zähler, Wechselrichter und Wallbox funktioniert auch ohne Bezahlung vollständig.
Welche Wallboxen unterstützt evcc?
evcc unterstützt mehrere hundert Wallboxen, darunter go-e, Easee, Zaptec, openWB, Heidelberg, ABL, KEBA und viele mehr. Die Anbindung erfolgt je nach Modell über Modbus TCP, OCPP 1.6 oder die Hersteller-Cloud-API. Die jeweils aktuelle und vollständige Liste findest du in der offiziellen evcc-Dokumentation, da ständig neue Geräte ergänzt werden.
Warum zeigt evcc Einspeisung statt Bezug an?
Das liegt fast immer an einer invertierten Zähler-Richtung. Manche Zähler liefern Bezug und Einspeisung mit umgekehrtem Vorzeichen. In der Konfiguration kannst du das mit einem Skalierungsfaktor scale: -1 oder einer Richtungs-Umkehr korrigieren. Nach der Anpassung sollte evcc Netzbezug positiv und Einspeisung negativ anzeigen.
Brauche ich Programmierkenntnisse für evcc?
Nein. Die Einrichtung läuft über einen Browser-Assistenten unter Port 7070, der dich durch Zähler, Wechselrichter und Wallbox führt. Grundkenntnisse zu IP-Adressen und dem Aktivieren von Modbus im Gerät helfen, sind aber lernbar. Für komplexe Sonderfälle kannst du die YAML-Konfigurationsdatei direkt bearbeiten, das ist aber kein Muss.
⚡Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Smart-Home-Installationen können elektrische Verkabelung erfordern und müssen den lokalen Bauvorschriften entsprechen. Arbeiten an der Elektrik sollten nur von einem zugelassenen Elektriker durchgeführt werden.
Veröffentlicht durch die Stromdiagnose-Redaktion. Veröffentlicht am 20. April 2026. Aktualisiert am 26. Mai 2026.
Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.
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