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Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos

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Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos

Kurzdiagnose: Brauche ich Lastmanagement?

Sobald zwei oder mehr Wallboxen am selben Hausanschluss hängen, brauchst du Lastmanagement, damit sie nicht gleichzeitig die volle Leistung ziehen und den Hauptanschluss überlasten. Ein typischer Hausanschluss liefert 14,5 kW (3 × 20 A) bis rund 30 kW. Zwei Wallboxen mit je 11 kW ergeben aber schon 22 kW, dazu kommen Herd, Wärmepumpe und Co. Das Lastmanagement verteilt die verfügbare Leistung dynamisch auf die Ladepunkte, sodass nie mehr fließt als der Anschluss verträgt.

💡 Schnell-Check: Rechne deine Wallbox-Leistungen zusammen und addiere den restlichen Hausverbrauch bei Spitzenlast. Liegt die Summe über der Anschlussleistung (meist 14,5 bis 30 kW), brauchst du zwingend Lastmanagement.

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Statisches gegen dynamisches Lastmanagement

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Beim Lastmanagement gibt es zwei Grundtypen. Statisches Lastmanagement teilt eine fest definierte Leistung gleichmäßig auf die Wallboxen auf, unabhängig vom übrigen Hausverbrauch. Dynamisches Lastmanagement misst zusätzlich den aktuellen Gesamtverbrauch des Hauses und gibt den Wallboxen genau die Leistung frei, die gerade übrig ist.

MerkmalStatischDynamisch
Misst HausverbrauchNeinJa
LadeleistungFest reserviertNutzt freie Reserve voll aus
Zusätzliche HardwareKeineEnergiezähler am Anschluss
Geeignet fürKlarer LeistungsrahmenKnappen Hausanschluss

Dynamisches Lastmanagement holt mehr aus dem vorhandenen Anschluss heraus, weil es freie Kapazität sofort fürs Laden nutzt. Es braucht aber einen Energiezähler am Netzanschlusspunkt und meist Wallboxen desselben Herstellers oder ein übergeordnetes Energiemanagement wie evcc.

Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos — practical guide overview
Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos

So planst du Lastmanagement für zwei Autos

  1. Anschlussleistung ermitteln. Schau auf die Hauptsicherung im Zählerschrank. 3 × 20 A bedeuten 14,5 kW, 3 × 35 A rund 24 kW. Im Zweifel fragst du den Netzbetreiber.
  2. Spitzenlast der Haushaltsgeräte abschätzen. Wärmepumpe, Herd, Durchlauferhitzer können gleichzeitig laufen und Leistung blockieren.
  3. Lastmanagement-Typ wählen. Reicht der Anschluss locker, genügt statisch. Ist er knapp, nimm dynamisch.
  4. Kompatible Wallboxen aussuchen. Beide Boxen sollten vom selben Hersteller stammen oder über ein offenes Protokoll koppelbar sein.
  5. Energiezähler einplanen. Für dynamisches Management ist ein Zähler am Netzanschlusspunkt Pflicht.
  6. Von der Elektrofachkraft anschließen lassen. Verdrahtung, Absicherung und Inbetriebnahme gehören zum Fachbetrieb.
⚠️ Sicherheit: Die Auslegung der Absicherung, die Verdrahtung mehrerer Ladepunkte und der Anschluss am Zählerschrank gehören zwingend in die Hand einer eingetragenen Elektrofachkraft. Ein überlasteter Hausanschluss ist eine ernste Brandgefahr. Niemals selbst an der festen Elektrik arbeiten.

Wenn die Wallboxen verschiedener Hersteller sind

Lastmanagement funktioniert am einfachsten, wenn alle Ladepunkte vom selben Hersteller stammen und sich per Master-Slave koppeln lassen. Eine Box übernimmt dann die Steuerung. Hast du gemischte Hersteller, brauchst du ein übergeordnetes Energiemanagement-System. Open-Source-Lösungen wie evcc können mehrere Wallboxen herstellerübergreifend koordinieren, sofern jede eine offene Schnittstelle bietet.

  • Master-Slave: einfachste Lösung, gleiche Marke nötig, eine Box steuert die andere.
  • Übergeordnetes Energiemanagement: herstellerübergreifend, mehr Konfiguration, flexibler.
  • Cloud-Backend: manche Hersteller koordinieren über die Cloud, das setzt stabiles Internet voraus.
Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos — step-by-step visual example
Lastmanagement für mehrere Wallboxen und Autos

Vor dem Kauf der zweiten Box lohnt der Blick in die Kaufberatung für Wallboxen. Weitere passende Vergleiche findest du unter allen Wallbox-Artikeln.

Lastmanagement und § 14a EnWG

Seit 2024 gilt für steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen ab 4,2 kW der Paragraf 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf die Ladeleistung im Engpassfall vorübergehend auf 4,2 kW drosseln, dafür bekommst du reduzierte Netzentgelte. Ein gutes Lastmanagement-System setzt diese Vorgabe automatisch um, ohne dass dein Laden komplett stoppt. Bei mehreren Wallboxen ist das besonders relevant, weil die Drosselung dann intelligent über alle Ladepunkte verteilt werden muss.

ℹ️ Hinweis: Stand: Mai 2026. Ob und wie § 14a EnWG für deine Installation gilt, hängt vom Netzbetreiber und der konkreten Leistung ab. Das ist keine Rechtsberatung. Kläre Anmeldung, Steuerbox und Netzentgelt-Modul im Einzelfall mit Netzbetreiber und Elektrofachbetrieb.

Praktisch heißt das: Plane bei mehreren Ladepunkten von Anfang an ein, dass der Netzbetreiber drosseln darf. Ein dynamisches Lastmanagement, das den verfügbaren Rahmen ohnehin laufend nachregelt, kommt mit dieser Vorgabe am besten zurecht und verhindert, dass beide Autos gleichzeitig stehen bleiben.

Praktisch heißt das

Bei zwei oder mehr Wallboxen am selben Anschluss ist Lastmanagement kein Extra, sondern Pflicht. Reicht dein Hausanschluss locker, genügt eine statische Aufteilung. Ist er knapp, fährst du mit dynamischem Lastmanagement und einem Energiezähler am Netzanschlusspunkt am besten. Kaufe Boxen, die sich koppeln lassen, und lass den Anschluss vom Fachbetrieb dimensionieren.

Statisches vs. dynamisches Lastmanagement im Detail

Statisches Lastmanagement teilt eine fest definierte Maximalleistung gleichmäßig auf alle angeschlossenen Wallboxen auf. Hängen drei 11-kW-Boxen an einem 22-kW-Cluster-Limit, bekommt jede Box im schlechtesten Fall nur rund 7,3 kW. Vorteil: keine zusätzlichen Sensoren nötig, günstig in der Erstinstallation. Nachteil: ungenutzte Reserven aus dem Haushaltsstrom werden nicht freigegeben. Dynamisches Lastmanagement misst dagegen den realen Gesamtverbrauch am Hausanschluss und gibt die Differenz zur Anschlussleistung an die Wallboxen weiter. Ein typischer Einfamilienhaus-Anschluss mit 35 A pro Phase liefert 24,1 kW Gesamtleistung, wenn Backofen und Wärmepumpe gerade 7 kW ziehen, kann das System trotzdem 17 kW an die Wallboxen verteilen.

Technisch läuft die Kommunikation meist über Modbus TCP, EEBus oder OCPP 1.6J. Pro Wallbox sendet der Master alle 1-5 Sekunden ein neues Strom-Setpoint, die Box rampt mit IEC 61851-1 konform innerhalb von 5 Sekunden auf den Wert. Wichtig: unter 6 A pro Phase kann die meiste Hardware nicht laden, bei dynamischem LM kann es passieren, dass das System eine Box komplett pausiert, statt unter dieses Limit zu fahren.

💡 Praxis: Dynamisches LM braucht einen separaten Energiezähler am Hausanschluss, meist ein dreiphasiger Modbus-Zähler wie der ABB B23 oder der Eastron SDM630. Rechne mit 180-280 € Mehrkosten plus etwa eine Stunde Installation durch die Elektrofachkraft.

Hardware-Beispiele: ABL, KEBA, go-e im Cluster

Die ABL eMH3 lässt sich nativ zu Gruppen bis 16 Stationen koppeln, ein Master übernimmt die Lastverteilung über RS485. KEBA P30 x-series unterstützt OCPP 1.6J und ein integriertes Lastmanagement über LAN, bis zu 15 Boxen lassen sich ohne externen Controller verschalten. Bei go-e Charger HOMEfix übernimmt die go-e Controller-Box den Cluster-Job und steuert per WLAN/LAN mehrere Charger plus PV-Überschussladen.

Eine wachsende Rolle spielt das Open-Source-Tool evcc. Es bindet über Modbus, OCPP und Hersteller-APIs sehr viele Wallboxen ein und definiert sogenannte Loadpoints, jeder Loadpoint ist eine Wallbox mit eigener Priorität und eigener Lademodus-Logik (PV, Min+PV, Schnell). Mit einem Shelly 3EM oder einem Smart Meter wie dem EM3 von eHZ-Schnittstelle holt sich evcc den Hausanschluss-Verbrauch in Sekundentakt und drosselt Loadpoints automatisch, bevor der Hauptzähler in die Begrenzung geht.

OCPP-Smart-Charging-Profile praktisch

OCPP 1.6J kennt drei Profil-Typen: ChargePointMaxProfile (Box-Limit), TxDefaultProfile (Standard-Limit für jede Session), TxProfile (Limit für eine konkrete Ladesession). Ein zentrales Backend wie ChargeHere, Compleo oder ein selbstgehostetes SteVe kann pro Box und pro Stunde unterschiedliche Limits setzen. Wichtig für Mehrparteien-Häuser: TxProfile kann pro RFID-Karte unterschiedliche Limits setzen, Mieter A bekommt nachts 11 kW, Mieter B nur 4,6 kW, weil weniger gebucht.

⚠️ Elektrofachkraft-Pflicht: Ein 22 kW Hausanschluss-Limit lässt sich nicht einfach per Wallbox-Software erhöhen, bei mehreren Wallboxen braucht der Netzbetreiber laut §14a EnWG eine Anmeldung und ggf. eine technische Studie. Stand Mai 2026.

Mehrfamilienhaus: typische Topologie

Im MFH-Szenario mit 8 Parteien und einem 63-A-Hausanschluss (43,5 kW gesamt) lohnt sich eine Master-Slave-Konstellation. Der Master sitzt am Stromzähler, jeder Slave hängt an einem nachgelagerten Unterzähler, typischerweise eine MID-konforme Drehstromzähler-Konstellation. Bei voller Belegung bekäme jeder Stellplatz statisch rund 5,4 kW. Mit dynamischem LM und Berücksichtigung der Hausverbrauchskurve (nachts oft nur 3-5 kW Grundlast) lassen sich nachts 7-9 kW pro Box realisieren, entscheidend, wenn Mieter mit kleinen Akkus (40-58 kWh) in 6 Stunden voll laden müssen.

Häufige Fragen

Kann ich zwei 11-kW-Wallboxen ohne Lastmanagement betreiben?

In den meisten Einfamilienhäusern nicht. Zwei Wallboxen mit je 11 kW ziehen zusammen 22 kW, während ein typischer Hausanschluss nur 14,5 bis rund 30 kW liefert und davon noch Herd, Wärmepumpe und andere Geräte versorgt werden müssen. Ohne Lastmanagement riskierst du, dass die Hauptsicherung auslöst oder der Anschluss überlastet wird.

Was kostet dynamisches Lastmanagement zusätzlich?

Die Mehrkosten entstehen vor allem durch den Energiezähler am Netzanschlusspunkt, der je nach Modell zwischen rund 50 und 200 Euro liegt, sowie durch die Konfiguration. Viele höherwertige Wallboxen bringen dynamisches Lastmanagement bereits ab Werk mit. Bei offener Software wie evcc fallen für die Steuerung selbst keine Lizenzkosten an, nur die Hardware für den Zähler.

Funktioniert Lastmanagement auch mit Wallboxen unterschiedlicher Marken?

Direkt per Master-Slave meist nicht, weil dieser Modus die gleiche Marke voraussetzt. Mischst du Hersteller, brauchst du ein übergeordnetes Energiemanagement-System. Open-Source-Lösungen wie evcc können mehrere Wallboxen verschiedener Marken koordinieren, vorausgesetzt jede Box bietet eine offene Schnittstelle wie Modbus oder OCPP. Prüfe das vor dem Kauf.

Muss ich Lastmanagement beim Netzbetreiber anmelden?

Die Wallboxen selbst sind ab 4,6 kW anmelde- und ab 11 kW genehmigungspflichtig beim Netzbetreiber, unabhängig vom Lastmanagement. Das Lastmanagement kann sogar helfen, eine Genehmigung zu bekommen, weil es die maximale Bezugsleistung begrenzt. Sprich die genaue Dimensionierung mit deinem Elektrofachbetrieb und dem Netzbetreiber ab, bevor installiert wird.

Reicht statisches Lastmanagement für ein Doppelhaus?

Das hängt von der Anschlussleistung ab. Teilen sich zwei Parteien einen Anschluss, ist die verfügbare Leistung pro Wallbox oft knapp. Statisches Lastmanagement reserviert dann jeder Box eine feste Mindestleistung, was zu langsamem Laden führen kann. Dynamisches Lastmanagement nutzt freie Kapazität besser aus und ist bei geteiltem Anschluss meist die sinnvollere Wahl.

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Smart-Home-Installationen können elektrische Verkabelung erfordern und müssen den lokalen Bauvorschriften entsprechen. Arbeiten an der Elektrik sollten nur von einem zugelassenen Elektriker durchgeführt werden.

Veröffentlicht durch die Stromdiagnose-Redaktion. Veröffentlicht am 23. September 2026.

Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.

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